Initiative Waldviertel

Kritischer Gentechnikleitfaden für Konsumenten/innen

 

In enger Zusammenarbeit mit der Hofer KG haben das Forschungsinstitut für biologischen Landbau und der Freiland Verband einen kritischen Gentechnikleitfaden für die INITIATIVE WALDVIERTEL zusammengestellt und herausgegeben (Stand Juni 2010)
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Was sind gentechnisch veränderte Organismen (GVO)?

 

Gentechnisch veränderte Organismen können als Organismen definiert werden, bei denen das gentechnische Material (DNA) in einer Weise verändert wurde, die in der Natur durch Kreuzung oder natürliche Rekombination nicht vorkommt.

 

Kritik an gentechnisch veränderten Organismen

 

Sowohl herbizid- als auch insektenresistente Pflanzen sind nur notwendig bei Missachtung einer guten landwirtschaftlichen Praxis mit einer ordentlichen Fruchtfolge und Bodenbearbeitung. Das erklärt auch, wieso in den großen amerikanischen Monokulturflächen mit verarmten Fruchtfolgen die GVO-Flächen steigen.

 

Die österreichische Landwirtschaft mit mehrheitlich familiären Betrieben, die gewohnt sind, auf ihren Äckern eine gute landwirtschaftliche Praxis einzuhalten, zieht keine Vorteile aus dem Anbau von GVO-Pflanzen wie sie zur Zeit angeboten werden.

 

Dem gegenüber steht ein Image von Lebensmittelqualität und intakter Natur in Österreich – ganz besonders im Waldviertel, das bewahrt werden soll. Premiumqualität und Gentechnik-Freiheit gehören zusammen. Das gegenwärtige Angebot der Gentechnik-Industrie ist für die Waldviertler Landwirtschaft kein Angebot sondern eine Bedrohun. In Zeiten der Überproduktion führt Mehrertrag und billigeres Produzieren zur Herausnahme von Flächen aus der Produktion. Herausgenommen werden Flächen, die benachteiligt sind – klimatisch, geographisch, Flächenstruktur, usw. - eine Gefahr besonders für die Waldviertler Landwirtschaft.

 

 

Mögliche Auswirkungen auf die Umwelt und Gesundheit

  • Massives Auskreuzungspotential verschiedener Arten, z.B. Raps (30 potentielle Auskreuzungspartner in unserer Flora)
  • Resistenzbildung bei Unkräutern und Nutzpflanzen, die den versprochenen Einsparungseffekt innerhalb kurzer Zeit umdrehen
  • Auswirkungen auf Gesundheit: offen, da es bis jetzt keine Langzeitstudien gibt. Vor Einführung einer Technik, die derzeit für die österreichische Landwirtschaft keinen Nutzen bringt, sollte man sich die Zeit nehmen, mehr Sicherheit zu bekommen.

 

Keine Marktchancen

 

In Österreich ist niemand von der aufnehmenden Hand, von den Verarbeitungsbetrieben bis zum Lebensmitteleinzelhandel, derzeit bereit, GVO-Pflanzen zu übernehmen. Sie sehen also, dass es gute Gründe gibt, die Natur des Waldviertels weiterhin vor GVO-Anbau zu schützen.

 

 

 

Zusammenstellung der nachfolgenden Detailinformation zu Gentechnik:

Gesundheitsministerium Abteilung III/9 Sachbearbeiter: Dr. Zach/Ing. Lenauer

 

GVO-Anbau weltweit

 

2008 wurden in der Welt rund 125 Mio. ha (2007: 114 Mio. ha) GVO von 13,3 (2007: 12 Mio.) Landwirten in 25 Ländern angebaut. Diese 125 Mio. ha entsprechen 8,4% der weltweiten landwirtschaftlichen Anbaufläche von 1,5 Milliarden ha. davon am meisten Soja (rund 66 Mio. ha, v.a. herbizidresistente Rundup Ready Soja). Artspezifisch ist die Sojabohne mit 72% der Weltproduktion auch die meist angebaute GVO-Kultur, gefolgt von Baumwolle (47%), Mais (23%) und Raps (21%). Für Reis erfolgen keine Angaben von China, nur vom Iran (2006). Tatsächlich wird derzeit in China GVO-Reis nur zu Versuchszwecken getestet und nicht für die menschliche Ernährung verwertet!

Von den rund 125 Mio. ha Anbaufläche an GVO-Kulturen fallen rund 63 Mio. ha auf die USA bzw. rd. 90% auf den Anbau in Nord- und Südamerika (CAN 7,6 Mio. ha, USA 62,5 Mio. ha, ARG 21,0 Mio. ha, BRA 15,8 Mio. ha). In Europa und den Entwicklungsländern ist die Produktion vergleichsweise bescheiden, wobei Indien und China 3/4 des Gesamtanbaues von GVO-Baumwolle leisten. Von den insgesamt 13,3 Mio. Landwirten, welche weltweit GVO’s anbauen, entfielen 2007 alleine 11 Mio. Landwirte (92%) aus diesen beiden Ländern (Ø-Größe der Betriebe: 1,63 ha in Indien/0,59 ha in China).

 

 

Entwicklung des GVO-Anbaus Weltweit

 

Diese Tabelle zeigt deutlich, dass die Entwicklung des GVO-Anbaues sowohl in den industrialisierten als auch Entwicklungsländern steigend ist.

 

 

GVO Anwendung

 

Tabelle 3 zeigt, dass die kommerzielle Anwendung sich bei der Sojabohne ausschließlich auf die Herbizidresistenz bezieht, während bei den anderen Kulturen auch noch die toxische Wirkung von Bt-Genen auf Schadorganismen oder eine Kombination von beiden Eigenschaften genutzt wird.

 

 

GVO KulturenGVO Anbau

 

Jedenfalls überwiegt bei den Anwendungen in der Welt die Herbizidresistenz mit rd. 2/3 des GVO-Weltanbaues (siehe Tabelle 4).

 

 

GVO Kulturen

 

In Tabelle 5 sind die Anteile der Flächen, welche mit GVO’s bepflanzt wurden an der Gesamtfläche der einzelnen Kulturen ausgewiesen. Es zeigt sich, dass bei der Sojabohne sowohl relativ, als auch absolut der größte Anteil an GVO-Kulturen besteht.

 

 

Biotreibstoffproduktion in den USA: GV-Mais für die Bioethanolerzeugung

 

In den USA beträgt die Gesamtmaisfläche rd. 36 Mio. ha. Davon entfallen 28,2 Mio. ha (80%) auf den Anbau von GVO-Mais. Für die Bioethanolerzeugung wurden 2008 alleine 8,7 Mio. ha GVO-Mais aufgewendet, was einen Anteil von fast 29% an der Gesamtmaisfläche ausmacht! Rd. 3,5 Mio. ha GV-Soja (7% der Gesamt-GV-Sojabohnenerzeugung) und weitere 5.000 ha Canola-Raps gingen in die Biodieselerzeugung.

 

 

GVO-Anbau in Europa

 

In Europa wurden 2008 auf einer Fläche von 107.719 ha ausschließlich der GVO-Mais MON 810 angebaut. 3/4 davon wachsen in Spanien (Bt-Mais seit 1998). In Frankreich wurde 2008 kein GV-Mais angebaut, nachdem im Februar 2008 der Anbau von MON 810 vorläufig untersagt wurde. Schon seit Jahren erfolgt in Spanien der Anbau gentechnisch veränderter Sorten, welche gegen den Maiszünsler resistent sind (ca. 80.000 ha; ca. 25% der span. Maisanbaufläche).

Es ist jedenfalls auch 2009 mit einem deutlichen Anstieg der GVO-Anbaufläche zu rechnen, da die Sortenzulassungen für MON 810-Sorten in der EU zunehmen. Die Bedeutung dieses GVO-Konstruktes in der EU, welches eine Resistenz gegen den Maiszünsler exprimiert, ist nicht zu unterschätzten. In Ö dagegen spielt der Maiszünsler als Schadorganismus eine nicht so bedeutende Rolle.

Die EK hat am 17.09.2004 die ersten gentechnisch veränderten Sorten im gemeinsamen Sortenkatalog veröffentlicht. Saatgut dieser Maissorten mit dem genetischen Konstrukt MON 810 ist somit im Binnenmarkt verkehrsfähig. Regelmäßig erfolgt die Eintragung weiterer Maissorten (aus ES, F, DE, CZ) aus dieser Linie. In Summe sind es derzeit 97 Sorten. Damit sind diese Sorten gemeinschaftsweit verkehrfähig. In Österreich ist ein Anbau aufgrund der nationalen Verbots-VO trotzdem nicht möglich.

Nationale Anbauverbote für die MON 810-Sorten existieren außer in Ö auch in Ungarn, Polen ( nur für spätreifere Sorten) und Griechenland.

In der EU für den Anbau, allerdings noch nicht als Saatgut (keine GVO-Sorten), zugelassen ist weiters bei Mais das GVO-Konstrukt T25 (in Ö Verbotsverordnung).
Bt 11 und 1507 sind beantragt.

Bei Raps waren Hybriden aus der Zeit vor dem Moratorium (inzwischen zurückgezogen) für den Anbau, allerdings keine Sorten zugelassen. Das bedeutet, dass auch kein Saatgut davon in Verkehr gebracht werden darf.

 

Die AGES berichtet aktuell über den Zulassungsstand der GVO Sorten unter:

http://www.ages.at/ages/ernaehrungssicherheit/gvo/gv-sorten/

 
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